Farmmade Munich: zwei Schwestern und ein Hof in der Finsinger Au

Farmmade

28 Sep Farmmade Munich: zwei Schwestern und ein Hof in der Finsinger Au

Aufgewachsen sind die zwei Schwestern Lisa und Steffi – beide Mitte 30 – auf einem Hof in der Finsinger Au. Sie sind viel gereist, vom Land in die Stadt und ins Ausland gezogen, bis die beiden vor drei Jahren ihr Stadtleben für den elterlichen Hof an den Nagel gehängt haben. Mit ihrem Projekt „Farmmade“ und den „Farm-to-Table“-Events bringen sie den Münchnern die Natur näher und zeigen, wie nachhaltig und selbstbestimmt Essen(-gehen) sein kann. Ich habe die zwei interviewt.

Farmmade bei der Arbeit

1. Zwei Schwestern aus der Finsinger Au und eine wundervolle Farm. Wo befindet sich euer Hof und was bietet die Umgebung?

Lisa: Die Finsinger Au bietet viel Natur und Freiraum – unser Hof liegt etwa 20 Kilometer nordöstlich von München, zwischen Markt Schwaben und Finsing. Wir sind umgeben von weiten Wäldern und saftigen Wiesen und der erste Nachbar wohnt mehr als einen halben Kilometer entfernt. Morgens und abends kommen Rehe aus dem Wald auf die Wiesen um unseren Hof und manchmal verirrt sich sogar ein Fuchs in den Garten. Die Umgebung bietet viel Platz und lädt zum Verweilen ein.

2. Euer Instagram Account „@farmmade_munich“ zeigt erste Eindrücke vom Hof. Viele fragen sich was dahinter steckt. Was ist euer Konzept und welche Ideen habt ihr?

Steffi: Auf Instagram zeigen wir wie sich unser Projekt „farmmade“ entwickelt und teilen viele Einblicke in unser tägliches Hofleben. Unser Ziel ist es sogenannte „Farm-to-Table“ Events anzubieten. „Farm-to-Table“ bedeutet saisonales Essen, das direkt auf dem Hof produziert wurde, auf den Teller zu bringen. Es ist eine sehr nachhaltige Art der Lebensmittelverwertung bei der die saisonale Küche mit kurzen Wege ein zentrales Element darstellt. Wir möchten bei den Events alles, was im Rhythmus des Jahreswechsels bei uns im Küchengarten wächst, möglich natürlich verarbeiten und dabei leckere andersartige Gerichte kreieren. Fernab der typisch bayrischen Küche, die man mit Bauernhofessen eigentlich verbinden würde. Bei unseren Gerichten spielt Gemüse aus dem Garten die Hauptrolle. Alles was wir nicht selbst produzieren wird aus der Region von anderen Bauern bezogen, die wir persönlich kennen und bei denen wir wissen wie sie arbeiten.

Lisa: Im Moment befindet sich unser Garten noch in der Experimentierphase und dient hauptsächlich der eigenen Versorgung. Wir werden unseren Garten nach und nach erweitern und so in den nächsten Jahren einen großen Küchengarten erhalten, der zukünftig alle Gäste bei den geplanten „Farm-to-Table“ Events und andere Veranstaltungen auf unserem Hof versorgen kann. Dabei geht es uns besonders darum, mit besonderen Zutaten, wie zum Beispiel alten Obst- und Gemüsesorten und traditionellen Herstellungsverfahren ein echtes kulinarisches Erlebnis anzubieten.

3. Wie kamt ihr auf diese Ideen und welche Rolle spielt dabei der Hof eurer Familie?

Lisa: Früher war unser Hof ein klassischer Bauernhof mit Milchkühen, Federvieh, Ackerland und etwas Wald. Da der kleine Hof nicht mit der rasanten Entwicklung in der Landwirtschaft – Stichwort: Wachse, oder weiche –  mithalten konnte und wollte, haben unsere Eltern vor circa 25 Jahren nochmal Neu angefangen. Auf dem Hof entstand eine Pferdepension und ein erfolgreiches Catering Unternehmen mit regionaler Landküche. Unsere Eltern haben uns vorgelebt mit den vorhandenen Ressourcen kreativ umzugehen. So kam es nicht von ungefähr, dass wir in gewisser Weise in Ihre Fußstapfen treten und unsere eigenen Ideen am Hof verwirklichen werden.

Steffi: Nach einem Schlaganfall unseres Vaters waren wir plötzlich mit der Frage konfrontiert, wie es mit dem Hof weitergehen soll. Die Landwirtschaft in Bayern hat das große Problem des „Höfesterbens“ aufgrund fehlender Generationennachfolge. In unserer Familie ist das ganz anders. Wir sind vier Geschwister und jeder möchte sich und seine Ideen am Hof verwirklichen. Der Hof ist für uns ein Stück Heimat, das wir bewahren wollen. In Zusammenarbeit mit einem Coach erarbeiten wir gerade den Rahmen für die zukünftige Nutzung des Hofes, zum Beispiel für „Farm-to-Table“ Events mit Küchengarten und Streuobstwiesen.“

Farmmade Hof

4. Wie weit sind diese Ideen schon in der Umsetzung?

Lisa: Wir stehen noch am Anfang, starten aber bereits im Oktober mit unserem Onlineshop unter www.farmmade.de. Dort wird es unsere ersten Produkte geben. 2016 haben wir unseren eigenen Cider aus den Äpfeln vom Hof produziert. Zudem haben wir eine eigene Cocktail- & Limonadensirup-Linie aus den Kräutern unseres Gartens entwickelt. Neben dem Onlineshop wird es auf der Webseite einen kleinen „Farm-to-Table“ und Gartenblog geben. Für unsere eigene Entwicklung besuchen wir ab Herbst eine Weiterbildung zum Aufbau einer Bauernhofgastronomie. Daneben sammeln wir vor allem im Gewächshaus viel Erfahrungen, lernen viel dazu und machen auch Fehler. Das gehört einfach dazu.

5. Zudem habt ihr eine wundervolle Auswahl an Sirup-Sorten – wie entsteht euer Sirup und was kann man alles damit machen?

Steffi: Unser Sirup entsteht aus verschiedensten Blüten, Kräutern und Früchten die allesamt auf und um den Hof wachsen. Wir sammeln die Zutaten für die Sirupessenzen von Hand und versuchen so den Geschmack des Sommers einzufangen. Mittlerweile gibt es sieben verschiedene Sirup-Sorten, darunter Apfel-Minze, Rosmarien oder auch ausgefallenen Sorten wie Fichte. Die Sorten eigenen sich hervorragend für frische Limonaden und runden auch Cocktails geschmacklich auf besondere Art ab. Die Idee zum Cocktail & Limonadensirup kommt nicht von ungefähr. Mit dem Sirup lassen sich auch hervorragend Nachspeisecremes oder Eis selbst herstellen – sogar Fleisch kann man damit marinieren. Wir probieren ständig neue Rezepte aus. Einige davon gibt es dann bald zum Nachkochen auf unserem Blog.

 

Farmmade Rezepte

6. Biologischer Anbau, Nachhaltigkeit und Regionalität sind aktuell Stichworte, wie passen diese Themen in euer Konzept?

Steffi: Mit der Erfahrung wie viel Arbeit im Garten steckt, bringt man Lebensmitteln automatisch mehr Respekt entgegen und verwertet alles nachhaltiger. Aus einer einzigen Pflanze kann so viel mehr herausholen und verwerten werden als man denkt. Natürlich sind wir keine reinen Selbstversorger – auch wenn wir das gerne wären. Wir achten aber sehr darauf, wie wir unsere Lebensmittel anbauen und verwenden keine Chemie. Zudem unterstützen wir kleinbäuerliche Strukturen unter dem Slogan „Support your local Farmer“. Es gibt so viele regionale Landwirte und Gärtner, die hervorragendes Obst und Gemüse anbauen und das zu einem wirklich fairen Preis anbieten. Es muss also nicht immer der Supermarkt sein, der uns mit billigem produziertem Obst, Gemüse oder Mehl versorgt.

Farmmade Cocktails

7. Was sind eure Wünsche für die Zukunft?

Steffi: Einer unserer größten Wünsche ist es, ein Umdenken in der Landwirtschaft und beim Verbraucher bezüglich der Wertigkeit der landwirtschaftlichen Arbeit und Qualität der Lebensmittel zu erreichen. Es ist uns wichtig, das Bewusstsein für vernachlässigte alte Obst- und Gemüsesorten zu stärken. Faire Preise und Wertschätzung für Landwirte, die Lebensmittel nachhaltig und regional produzieren ist die Grundvoraussetzung für gesundes Essen. Mut zur kleinbäuerlichen Vielfalt statt Masse und Monostrukturen. Man kann nur etwas ändern, wenn man es selber auch (vor-)lebt. Die ersten Schritte in die Richtung haben wir nun gemacht. Wir haben aber noch viel vor, bis alles umgesetzt ist was wir uns vorstellen: Eine Bauernhofgastro mit Küchengarten, Streuobstwiese mit alten Apfelsorten und eine kleine Ciderei… damit unserer Traum einer nachhaltigeren Landwirtschaft ein Stück weit Wirklichkeit wird.

Farmmade Apfelminze

 


Weiterführende Infos:

Webseite? Farmmade.de

Was gibts da? Farmboutique: Cider, Cocktail & Limonadensirups, Farm-to-table Blog

Ab wann gibts das? Blog und Shop ab Herbst 2017, erste Events voraussichtlich ab Sommer 2018

 

 

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